|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ISBN: 3406562779 ISBN: 3406562779 ISBN: 3406562779 ISBN: 3406562779 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Wir empfehlen: | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Inflation und Besetzung des RuhrgebietesWie kam es zu der galoppierenden Inflation von
1923? Schon während des Krieges war die deutsche Währung in
Unordnung geraten. Die ungeheueren Kriegsausgaben wurden nicht wie
in England und Frankreich größtenteils durch erhöhte Steuern,
sondern durch Anleihen und durch Druck zusätzlichen Papiergeldes
bezahlt. So war das Deutsche Reich Ende 1918 hoch verschuldet und
der Geldumlauf gegenüber dem Stand von 1914 mehr als verzehnfacht.
Da dem stark erhöhten Zahlungsmittelumlauf nur ein geringes
Warenangebot gegenüberstand, kam es zu einer allgemeinen
Preissteigerung (Inflation).
Auch nach dem Kriegsende stand die Notenpresse
nicht still. Die Umstellung auf die Friedensproduktion, die
Unterstützung der entlassenen Soldaten, der Flüchtlinge und
Arbeitslosen, die Kriegsopferfürsorge und die Kosten für
Besatzungstruppen erforderten riesige Geldmengen und beschleunigten
das Tempo der Markentwertung.
Dazu kamen die wirtschaftlichen Bestimmungen
des Versailler Vertrages, die Deutschland zur Wiedergutmachung aller
Verluste und Schäden verpflichteten, die den Alliierten entstanden
waren. 1921 wurde die Reparationssumme von den Siegermächten auf 132
Milliarden Goldmark festgesetzt und die deutsche Regierung in
ultimativer Form zur Anerkennung gezwungen.
Die Festsetzung der ungeheueren
Reparationssumme wurde selbst von dem englischen Nationalökonomen
John Keynes als unsinnig bezeichnet. Denn es genügte nicht,
daß die jährlichen Reparationszahlungen vom deutschen Steuerzahler
in Mark aufgebracht wurden, sie mußten in fremder Währung geleistet
werden. Dies setzte aber voraus, daß den deutschen Exporteuren die
Möglichkeit geboten wurde, durch einen erhöhten Verkauf deutscher
Waren im Ausland ausreichende Devisen zu verdienen.
Als Deutschland die Barzahlungen nicht mehr
fortsetzen konnte, wurde es zu Sachlieferungen gezwungen. Ein
geringer Ablieferungsrückstand von Kohle und Holz im Wert von 24
Millionen Goldmark, bei einer tatsächlichen Reparationsleistung von
1478 Millionen Goldmark im Jahre 1922, führte im Januar 1923 zur
Besetzung des Ruhrgebietes durch französische und belgische
Truppen.
Der französische Ministerpräsident Raymond
Poincaré nannte dieses Vorgehen "Politik der produktiven
Pfänder".
Aus Protest gegen die Besetzung des
Ruhrgebietes rief die Reichsregierung zum passiven Widerstand
auf. Arbeiter, Beamte und Angestellte folgten dem Aufruf und
legten die Arbeit nieder; Eisenbahner fertigten keine Züge nach
Frankreich ab. Wenn Häuser beschlagnahmt wurden, waren sie am
folgenden Tag ohne Wasser-, Gas- und Stromanschluß. Der passive
Widerstand ging vereinzelt in aktive Sabotageakte über: Schienen
wurden gesprengt, Schiffe versenkt und Kanäle blockiert, um den
Abtransport von Kohle und Industriegütern nach Frankreich und
Belgien zu verhindern. Die Besatzungsmächte verhängten daraufhin den
Belagerungszustand. Viele Unternehmer und Streikende wurden vor
Gericht gestellt, zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt oder
ausgewiesen.
Mit Hilfe kleiner separatistischer Gruppen
versuchten die Franzosen, das Rheinland als "Rheinische Republik"
vom Deutschen Reich zu lösen. Sie scheiterten jedoch an der
ablehnenden Haltung der reichstreuen Bevölkerung und an England, das
die französische Politik nicht unterstützte. Die englische
Außenpolitik vertrat wieder ihren Standpunkt der "Balance of Power"
und war an einer wirtschaftlichen Gesundung Deutschlands als
zukünftigem Handelspartner interessiert.
Das wirtschaftliche Chaos an der Ruhr und die
Notwendigkeit, Millionen Streikende zu unterstützen, führten das
Reich in eine schwere Krise. Die Inflation erreichte ihren
Höhepunkt. Die Geldentwertung machte es auch unmöglich, auf dem
Weltmarkt die benötigten Lebensmittel für die Bevölkerung
einzukaufen. Wer keine Sachwerte zum Tauschen hatte, hungerte
erneut.
Die Inflation traf besonders das kleine und
mittlere Bürgertum, das seine Ersparnisse in Sparguthaben,
Hypotheken und Kriegsanleihen angelegt hatte. Die Besitzer von
Sachwerten (Fabriken, Häusern, Bauernhöfen und Gütern) erlitten
durch die Inflation keine Verluste. Sie erzielten sogar große
Gewinne, wenn sie aufgenommene Kredite mit entwertetem Geld
zurückzahlten. Gewinner der Inflation waren auch das Reich, die
Länder und Gemeinden, deren Schulden sich durch den Wertverfall des
Geldes in nichts auflösten.
In dieser Situation fanden sich am 13. August
1923 im Reichstag SPD, Zentrum, DDP und DVP zu einer "großen
Koalition" zusammen. Reichskanzler wurde Gustav Stresemann,
der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei; er entschloß sich
dazu, den "passiven Widerstand" im Ruhrgebiet zu
beenden.
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |<< Anfang < Zurück Index Weiter > Ende >>| | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zurück zu Themenseiten: SchoolLecture.com/Startseite/Gesellschaft/Geschichte StudyPaper.com/Startseite/Gesellschaft/Geschichte Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Startseite | english | Bookmark setzen | Webseite weiterempfehlen | Copyright © | Impressum | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||